Angelsächsisches CLT Modell bereichert Belgiens Genossenschaftswelt – Start in Deutschland

Berlin/Brüssel, 8. Februar 2019 (geno). Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird zum Schauplatz einer Premiere besonderer Art. Ein in angelsächsischen Ländern bereits weit verbreitetes Modell, mit dem insbesondere der genossenschaftliche Wohnungsbau begünstigt wird, soll nun auch in Deutschland Fuß fassen. Nach der Formel “Community Land Trust” (CLT) soll eine gemeinnützige Stiftung gegründet werden, die der Spekulation die Grundlage entzieht und über Gemeinschaftsland verfügt. Die darauf stehenden Gebäude gehen per Erbpachtrechtsvertrag an die Nutzer. Das können Genossenschaften oder Hausprojekte sein. Über den Namen besteht noch keine Einigkeit – “Stiftung Gemeingut” und “Berliner Bodenhaltung” machen die Runde – , aber der Zeitplan ist fertig. Schon im kommenden Sommer soll die demokratische Bodenstiftung gegründet werden. Sie wird nach den Worten von Andrei Sacharow von CLT Berlin Bodenanteile dauerhaft in gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung überführen und der Verwertung am Markt entziehen. 

Ein CLT ist eine gemeinschaftliche, nicht-gewinnorientierte Eigentumsform, mit der günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Auch soziale, kulturelle und gewerbliche Nutzungen sind möglich. Die Entscheidung über die Nutzung von Boden und Immobilien, die in einem CLT gehalten werden, trifft ein gewählter Beirat. Er setzt sich zu jeweils einem Drittel aus Bewohnern, der Nachbarschaft sowie Vertretern der Stadtgesellschaft oder Politik und Verwaltung zusammen. Dieses Modell gibt es in Großbritannien und in den USA schon seit vielen Jahren. Dort ist es im Zuge der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre aufgekommen. Es wurde inzwischen nach Belgien “exportiert”, wo teilweise eine sehr angespannte Wohnraumsituation entstanden war. Beispielsweise hatten sich in der Gegend um Brüssel die Preise für Wohnraum zwischen 2000 und 2010 verdoppelt. Sozialwohnungen wurden kaum gebaut, während die Nachfrage stieg. Die Wartezeiten verlängerten sich bis zu zehn Jahren. Angesichts dessen sann man im Gemeindezentrum Buurthhuis Bonnevie in Molenbeek – einem der ärmsten Viertel Brüssels darüber nach, wie erschwinglicher Wohnraum selbst geschaffen werden kann. So entstanden unter intensiver Beteiligung von Familien 14 neue Wohnungen, die nicht nur sehr preiswert, sondern auch äußerst umweltfreundlich sind. 

Im Jahr 2008 lernten mehrere Brüsseler Organisationen erstmals diese Trusts für Gemeinschaftsland kennen. Dann gründeten sie die Brüsseler CLT-Plattform. Im Jahr 2010 hat dann die Brüsseler Stadtregierung eine Machbarkeitsstudie zu gesetzlichen, ökonomischen und institutionellen Aspekten der Übertragung des amerikanischen Modells auf die konkrete Situation in Belgien in Auftrag gegeben. Schon zwei Jahre später wurden die ersten 20 CLT-Häuser veräußert. 

Die belgischen CLT-Experten haben den Berlinern nun Schützenhilfe geleistet und ihre Erfahrungen weitergegeben. So hielten der Philosoph und Historiker Lieven De Cauter von Gemeingut Stadt Brüssel sowie Geert De Pauw von CLT Brüssel und dem europäischen Community -Land-Trust-Netzwerk im vergangenen Jahr Vorträge vor den Berliner Initiatoren. Seit Oktober 2018 gibt es in Friedrichshain-Kreuzberg eine regelmäßige Zusammenarbeit. Aktivisten, Forscher und Interessierte arbeiten an einer Machbarkeitsstudie. Es wurde ein Team zur Projektleitung gebildet, das vom Bezirksamt den Auftrag zur Gestaltung der Aufbauphase erteilt bekam. ++ (wg/mgn/08.02.19 – 027)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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